Historische Zäune in Mösern
Zäune dienten seit jeher zur Einfriedung des Besitzes, zur Sicherheit der Herde, zum Schutz des Ackerlandes oder der benachbarten Weide. In Mösern bei Seefeld unterstreichen historische Zäune den ländlichen Charakter des Dorfes und gewinnen als gestaltendes Element in der Landschaft wieder an Bedeutung.
Was ein Zaunbauer wissen muß
Das Zaunholz sollte in der Zeit zwischen Michaeli (29. 9.) und dem Sebastianitag (20. 1.) bei abnehmenden und absteigenden Mond gefällt werden. Ideal wäre es, wenn der Mond auch noch im Zeichen des Steinbockes stehen würde. Auch der Standort des Baumes spielt bei der Auswahl eine große Rolle. Besonders eignet sich das gleichmäßig gewachsene Holz von ruhigen Standorten, denn Wind und starke Hangneigung verursachen unregelmäßige Stammquerschnitte und unterschiedliche Jahresringbreiten. Holz aus gemischten Wäldern ist widerstandsfähiger gegen Sturm und Schnee sowie gegen den Befall durch Pilze und Insekten. Für die einzelnen Teile des Zaunes werden verschiedene Holzarten ausgewählt. Allgemein gilt, dass jene Teile, die in der Erde stecken, also tragende Säulen und Stecken aus dem gegen Feuchtigkeit viel widerstandsfähigeren Lärchenholz angefertigt werden, während die quer eingefügten Balken und die quer eingelegten Spelten aus Fichtenholz gemacht werden.
Der geflochtene Speltenzaun – Steckenringzaun
Bei dieser Zaunform werden zunächst im Abstand von 3 bis 4m lärchene Säulen gesetzt. Diese werden durch eine Querstange, die ungefähr in einer Höhe von 1m über dem Boden durch eine ausgestemmte Öffnung in der Säule geschoben werden fixiert. Dann werden die Spelten entlang der Querstange im Abstand von 5 bis 10 cm in den Boden gestoßen und mit ca 1m 50 langen Fichtenästen, die vorsichtig erhitzt wurden, fortlaufend an die Querstange geflochten. Dabei gibt es verschiedene Arten, die Äste zu verflechten. Wir haben sie „kreuzweise verzopft“.
Der Ringzaun
Bei dieser Zaunart werden nur an den Ecken, bei den Öffnungen und an den Punkten, an denen der Zaun einen stärkeren Richtungswechsel im Gelände macht, Säulen gesetzt. Die Spelten werden an eingefügten Holznägeln aufgesetzt und von einem dünnen, durch einen großen Ring mit der Säule verbundenen Stecken fixiert. Dazwischen werden im Abstand von 2-3 Metern paarweise lärchene Stecken in den Boden geschlagen. Schließlich kann man mit dem Aufbau des Zaunes beginnen. Dazu legt man 6-8 Lagen Spelten waagrecht zwischen den Steckenpaaren ein und fixiert diese mit den vorbereiteten Astringen.
Warum wurden die alten Zaunformen aufgegeben?
Warum verschwanden sie aus dem Bild unserer Landschaft? Dafür gibt es mehrere Gründe. Einmal ist es der intensive Aufwand an Material und Zeit. Vor allem Zeit spart man sich heute durch den Zukauf des Materials wie z. B. Nägel und der Bretter, eine Tatsache, die vor 100 Jahren noch unvorstellbar gewesen wäre, weil praktisch kein Bargeld vorhanden war. Schließlich ist auch der starke Rückgang von Arbeitskräften auf einem Hof Ursache dafür.
Die Errichtung historischer Zaunformen soll die alte Tradition des Zaunbau neu beleben, das Wissen um die handwerklichen Fertigkeiten erhalten, den ländlichen Charakter des Dorfes unterstreichen und als gestaltendes Element in der Landschaft wieder an Bedeutung gewinnen. Zäune können in der Folge aber auch an Grenzen erinnern. Wie gehen wir damit um? Schauen wir hin und wieder über den Zaun? Wie gehen wir mit persönlichen Grenzen um? Welche Bedeutung können körperliche, geistige oder moralische Grenzen für uns haben? Benutzen wir sie, um Heimat, Geborgenheit und Gemeinschaft zu schaffen oder missbrauchen wir sie zum Ausgrenzen und Behindern?
